Ein kurzer Bericht AET 2019

Die Gedenkfeier zum Tag der Afrikanischen Einheit wurde von AfricanTide Union am 24. und am 25. Mai 2019 in Dortmund veranstaltet.

Teilnehmende aus verschiedenen Gesellschaftsbereichen und aus fast allen europäischen und afrikanischen Ländern trafen sich an diesen zwei Tagen, um den 56. Jahrestag seit der Gründung der Organisation der Afrikanischen Einheit (heute Afrikanische Union) in Addis Abeba in Äthiopien zu feiern. Die Konferenz wurde von AfricanTide Union zum 9. Mal in Dortmund veranstaltet und thematisierte die großen Herausforderungen an die wirtschaftliche Entwicklung und den damit verbundenen noch weiten Weg des Afrikanischen Kontinents hin zu einem eigenständig erfolgreichen Wirtschaftsraum.

Das Thema der Konferenz lautete „Boosting Africa’s Development – The 2063 Agenda“ und impliziert das Bestreben der Afrikanischen Union, bis 2063 ein wohlhabendes Afrika auf der Grundlage integrativen Wachstums und nachhaltiger Entwicklung zu schaffen. Im Rahmen der Veranstaltung fanden Konferenzen und Workshops zu verschiedenen Themen der wirtschaftlichen Entwicklung Afrikas statt.

Rahime Diallo und Tari Weber moderierten souverän und wortreich die Feier – Vertreter öffentlicher Institutionen wie Jörg Stüdemann (Stadtdirektor Stadt Dortmund), Botschafterin Mobolaji Sakirat Ogundero (stellvertretende Missionsleiterin der Botschaft von Nigeria in Deutschland), Prof. Dr. Jason Osai (Leiter der Abteilung für Politikwissenschaft an der Rivers State University, Port Harcourt, Nigeria) und Prof. Adams Bodomo (Direktor des Centre for Global African Diaspora Studies, Universität Wien, Österreich) eröffneten die Konferenz.

Zum Auftakt hielt Dr. Rosalyn Dressman (Politikwissenschaftlerin, Entwicklungsexpertin und Vorsitzende der AfricanTide Group) eine “keynote speech” zur Gesamtthematik. Dr. Dressman bat alle Teilnehmenden, ihre eigenen Ideen zur gegenseitigen Inspiration und Diskussion zu entwickeln, um dann während der Veranstaltung gemeinsam fundiert politische Ideen zu formulieren, wie die Ziele der UN-Agenda 2063 erreicht werden können.

Die Diaspora-Auswirkungen auf Investitionen resilienter Volkswirtschaften

Ein thematischer Schwerpunkt der zweitägigen Veranstaltung war der Einfluss der Diaspora auf die Investments resilienter Öconomien. Dr. Dressman führte aus, dass es an der Zeit sei, neue Investmentmodelle für einen größeren Einfluss der Diaspora in Afrika zu entwickeln.

Sie erklärte, dass die finanziellen Überweisungen der afrikanischen Diaspora jährlich mehr als 40 Milliarden Dollar betragen, dieses aber Geld hauptsächlich für den privaten Konsum verwendet wird. Daher sollte darüber nachgedacht werden, wie diese Finanztransfers in Afrika besser investiert werden könnten, um Arbeitsplätze zu schaffen und die wirtschaftliche Produktion anzukurbeln.

Dr. Dressman lobte die Bedeutung ausländischer Direktinvestitionen in Afrika und sagte, dass sie „das Wachstum ankurbeln und gleichzeitig hervorragende Geschäftspraktiken und Technologien transferieren, die von lokalen Unternehmen übernommen werden könnten“.

Sie fügte hinzu, dass „… diese Praktiken und Technologien wiederum die Produktivität und Effizienz in der gesamten Wirtschaft steigern und sowohl für Verbraucher als auch für Erzeuger Vorteile bringen werden“ und „Länder in Afrika brauchen diese Art von Investitionen dringend.“

Dr. Dressman sagte, die Konferenz ziele darauf ab, “…. dauerhafte Brücken zwischen der afrikanischen Diaspora und den Freunden Afrikas in Deutschland und Europa zu bauen, damit sie zu Veränderungsakteuren und aktiven Mitarbeitenden für die Entwicklung auf dem afrikanischen Kontinent werden.”

Dortmund als Partner für Afrika

In seiner Eröffnungsrede sagte Stadtdirektor Jörg Stüdemann, Afrika biete ein großes Potenzial der globalen Wirtschaftsentwicklung – die Hälfte, der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt befindet sich derzeit in Afrika!

Jörg Stüdemann verdeutlichte, dass Afrika bis 2035 über das größte Arbeitskräftepotenzial der Welt verfügen werde. Daher sei es unerlässlich, mit dem afrikanischen Kontinent zusammenzuarbeiten, um die globalen Herausforderungen der Zukunft bewältigen zu können.

Stüdemann sagte, die Aussichten auf verstärkte deutsche Investitionen in Afrika seien sehr groß, da nur etwa 1.000 der 3,5 Millionen in Deutschland registrierten Unternehmen auf dem Afrikanischen Kontinent tätig seien.

„Ich war vor kurzem in der Demokratischen Republik Kongo und habe gesehen, wie die Chinesen einen ganzen Bezirk für ihre Ingenieure, Wissenschaftler, Ärzte und andere Arbeiter gebaut haben, von wo aus sie die Infrastruktur im ganzen Land aufbauen“, sagte er. „Europa sollte China in Afrika nacheifern. Mehr deutsche Unternehmen sollten in Afrika aktiv sein.“

Stüdemann forderte die Impementierung menschenrechtsbasierter Strategien für eine erfolgreiche Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und der UN-Agenda 2063!

Weiterhin sagte Jörg Stüdemann, dass seine Stadt als führendes Technologie- und Forschungszentrum gut positioniert sei, um mit dem afrikanischen Technologie-Start-up-Sektor für mehr Innovation und Wissenstransfer zusammenzuarbeiten.

Stüdemann lobte AfricanTide Union für die Durchführung der Veranstaltung in Dortmund, einer Stadt mit 600.000 Einwohnern, von denen etwa ein Drittel migrantischer Herkunft ist. In Dortmund leben 18.000 Einwohner mit afrikanischen Wurzeln – hieraus erklärt sich der aktive Austausch mit afrikanischen Initiativen in der Stadt, verriet er.

Handel statt Hilfe – trade instead of aid

Botschafterin Mobolaji Ogundero, stellvertretende Missionsleiterin der Botschaft Nigerias in Deutschland, forderte einen Paradigmenwechsel in den westlichen Beziehungen zu Afrika. Sie sagte, dass Handel anstelle von Hilfe gefördert werden sollte, da ansonsten eine Kultur der Abhängigkeit in vielen afrikanischen Ländern gefördert wird.

Frau Ogundero lobte AfricanTide Union und die Stadt Dortmund für die Ausrichtung des Afrika-Tages und betonte, dass die Diaspora eine sehr wichtige Aufgabe in der Unterstützung zur Entwicklung des Afrikanischen Kontinents habe.

 

Prof. Dr. Jason Osai von der Rivers State University, Nigeria, betonte besonders die Rolle der Diaspora innerhalb der afrikanischen Entwicklung. Er betonte, dass den außerhalb des Kontinents lebenden Afrikanern eine entscheidende Rolle bei der Lösung der großen Herausforderungen für die Entwicklung ihrer Länder zukommt.

Prof. Osai sagte, die Diaspora solle sich für eine gute Regierungsführung in Afrika einsetzen. „Sei an der Regierungsführung deiner Länder beteiligt, sprich, wenn du siehst, dass etwas schief geht, biete deine Perspektiven für die öffentliche Politik an“, empfahl er der Diaspora.

Prof. Bodomo von der Universität Wien meinte, die größte Herausforderung für die wirtschaftliche Entwicklung in Afrika sei, wie man den Kontinent in eine produzierende Wirtschaft verwandeln könne.  Dies würde die Entwicklung des Afrikanischen Bildungskonzeptes hin zu einer kompetenzbasierten Bildung sowie die Verbesserung der gesamten Infrastruktur erfordern! Der Professor für Sprach- und Literaturwissenschaft rief die afrikanischen Länder auf, die richtigen Prinzipien und Richtlinien für das Management ausländischer Investoren herauszuarbeiten. „Es gibt keine guten oder schlechten Investoren. Wir brauchen nur gute Richtlinien, um sie zu unserem Vorteil zu verwalten“, fügte er hinzu.

Während der zweitägigen Veranstaltung fanden mehrere Workshops zu den einzelnen Konferenzthemen statt.

So wurde beispielsweise das Potenzial der digitalen Technologien zur Förderung der wirtschaftlichen Transformation in einem Workshop von Robert Quarshie angesprochen, der über die Blockchain-Technologie und deren Einsatzmöglichkeiten sprach.

Er vertrat die Ansicht, dass virtuelle Währungen wie Bitcoin dazu beitragen könnten, die Wirtschaft zu stabilisieren und Währungseinbrüche wie in Simbabwe zu verhindern. Dies könnte auch dazu beitragen, Währungsturbulenzen die kontraproduktiv für Investitionen sind, zu verhindern.

Moses Acquah, Gründer von Afrolynk, führte einen Workshop über den Start des E-Business in Afrika durch, während Kizito Odhiambo über „Landwirtschaft und Ressourcenmanagement“, basierend auf seinen praktischen Erfahrungen in seiner Heimat Kenia, sprach.

Clément Klutse und Ibrahim Gueye hielten gemeinsam einen Vortrag über die Notwendigkeit der Professionalisierung von Black Business in Deutschland. Babatunde Ogboru sprach als Mitgründer über das Afro German Academic Network (ADAN) und über seine Arbeit für Afrika.

Weitere Redner waren Collins Nweke, Stadtrat in Belgien, der ein Referat  über die Entwicklung junger Menschen für Führungsaufgaben hielt, während Bridget Fonkeu über „Bildung als Brücke zu sozioökonomischen Unterschieden“ sprach.

Darüber hinaus sprach Dr. Maurice Kwem über „Equipping Young Africans for the Digital Economy and Global Play“ und Prof. Osai hielt in Vertretung den Beitrag von Prof. B. C. Dida, Vizekanzler der Rivers State University, über „Promoting Innovative Economies through Education“.

Ein weiterer Schwerpunkt der zweitägigen Veranstaltung war das “Young Leaders Forum”, das zukünftige Führungskräfte aus Afrika und der Diaspora zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch zusammenbringt. Ziel war es, den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, sich mit Themen wie kulturelle Identität und strukturelle Benachteiligungen auseinanderzusetzen und sie zu ermutigen, zu Mitgestaltern der Zukunft Afrikas zu werden.

Weitere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens am Tag der Afrikanischen Union Dortmund 2019 waren Grace Obar, in London ansässige Wirtschaftsprüferin, Vire Komolafe, Generalsekretärin der aus Dublin stammenden Nigerianer in der Diaspora Organization Europe (NIDOE), Dr. Obiora Nduka-Agu, Prof. Abaribe Anyanwu und Clara Meierdierks, Autorin und Motivationsrednerin.

Experts talk about mistakes African entrepreneurs in Germany should avoid

Die Experten diskutieren über Fehler sowie deren Vermeidungsstrategien afrikanischer Unternehmer in Deutschland.

Der Hamburger Unternehmensberater Clément Klutse hielt seinen Vortrag zum Thema „Förderung und Professionalisierung von Black Businesses in Deutschland“.

Klutse führte aus, dass die zunehmende Insolvenzrate bei migrantischen Unternehmern die Notwendigkeit zur Konzentration auf die Unternehmensführungskompetenz verdeutlicht.

Klutse (Gründer von KMC – Klutse Management Consulting) stellte fest, dass Unternehmen von Migranten oft nicht gut planen und daher in vielen Fällen scheitern. Er stellte heraus, dass besonders afrikanische Unternehmer von typischen Problemen der Unternehmensführung betroffen sind und dass viele Unternehmer aufgrund fehlender Einsicht sogar auf professionelle Beratung verzichten. Klutse sagte, dass eine solche Haltung – die er als „Beratungsresistenez“ bezeichnete, gefährlich sei, da oftmals kleine, vermeidbare Fehler für ihre Unternehmen insolvenzgefährdend sein können.

Klutse (Wirtschaftsexperte mit Master of Business Administration der Universität Hamburg), listete die häufigsten Fehler von Afrikanern als Unternehmer auf:

– Fehlen einer geeigneten Machbarkeitsstudie zur Rentabilität der geplanten Unternehmung

– Unzureichende Kenntnisse der Unternehmensausrichtung

– Fehlende ausreichende Finanzierung

– Auswahl des falschen Standortes

– Mangel an qualifiziertem Personal

– Schlechte Managementpraxis

Ein Beispiel für schlechte Managementpraxis, die Klutse vor allem bei Restaurantbesitzern beobachtet hatte, ist die zu niedrige Preisgestaltung im Irrglauben, dass sie mehr Kunden anziehen würde. „Wenn dein Preis zu niedrig ist, kannst du nie die Gewinnschwelle erreichen“, sagte Klutse. „Du musst deine Preise sorgfältig kalkulieren.“

Klutse (ebenfalls Kommunalpolitiker als CDU-Abgeordneter in Hamburg) sagte, ein Unternehmen sei widerstandsfähig, wenn es dem Wettbewerb standhalten und komplexe Herausforderungen im Markt meistern könne. „Unternehmer müssen die Art der Herausforderungen in ihrem Unternehmen verstehen, um sie antizipieren und meistern zu können“, riet er.

„Denke immer an die Zukunft und lerne, Frühwarnsignale für Veränderungen im Markt zu erkennen.“

Klutse, Organisator der jährlichen Veranstaltung „The Night of African Entrepreneurs“ in Hamburg, riet eindringlich, dass sich afrikanische Unternehmer und Existenzgründer professionell beraten lassen sollten.

Klutse sagte, der durch Migration getriebene demografische Wandel in Deutschland biete viele Möglichkeiten für migrantisches Unternehmertum. Der Unternehmensberater war sich jedoch einig, dass Afrikaner wie andere Migranten auch, oft Probleme haben, Bankkredite zu erhalten, so dass einige dazu gezwungen sind, sich in ihren Herkunftsländern das notwendige Kapital zu beschaffen.

Klutse meinte, dass ein Weg, diese Herausforderung zu meistern, darin besteht, sich professionell beraten zu lassen, da eine Bank ohne einen gut vorbereiteten Businessplan keinen Kredit gewähren würde.

„Lerne, professionellen Rat einzuholen“, wiederholte er am Ende seines Vortrags.

Rund 2 Prozent der 755.000 migrantischen Unternehmen in Deutschland gehören Afrikanern, die überwiegend im Einzelhandel (Geschäfte), in Dienstleistungen (Friseursalons, Reisebüros, Handwerk) und im Import & Export (Schifffahrtsagenturen, Auto/Maschinen/Ausrüstungsexport und Rohstoff/Landwirtschaft) tätig sind.

In einem zweiten Vortrag sprach Ibrahim Guèye über die Bedeutung der Bildung von Assoziationen durch Menschen, die in gleichen Bereichen arbeiten.

Guèye, Journalist und PR-Berater aus Düsseldorf, sagte, Verbände seien nützlich, weil ihre Mitglieder Ideen und Erfahrungen austauschen und gemeinsame Herausforderungen und Probleme gemeinsam angehen könnten.

Er betonte die Notwendigkeit, dass afrikanische Unternehmer Verbände gründen. „Wir brauchen keine hundert Menschen, um einen Verein in Deutschland zu gründen“, sagte er. „Sieben Leute sind genug.“

Verbände seien auch für afrikanische Fachleute nützlich, sagte er und verriet, dass es in Deutschland mehr als 7.000 Ärzte afrikanischer Herkunft gibt. „Ist dir bewusst, dass in Deutschland etwa 5.000 kamerunische Ingenieure arbeiten?“

Guèye riet den Afrikanern, in ihren Berufsverbänden aktiv zu sein, um zu erfahren, wie solche Einrichtungen organisiert und betrieben werden. Und sie sollten es sich zur Pflicht machen, an deutschen Veranstaltungen zu Afrika teilzunehmen.

 

Guèye, der lange Zeit für die Wirtschaftswoche gearbeitet hat, sagte, dass afrikanische Berufsverbände Beratungsleistungen anbieten, Konferenzen und Gruppenreisen nach Afrika organisieren und junge Studenten betreuen und ausbilden könnten.

„Afrikaner müssen lernen, wie man zusammenarbeitet“, riet er.

AfricanTide Union, als Veranstaltungsorganisateur, ist der Ansicht, dass erfolgreiche afrikanische Unternehmer in der Diaspora als Brücke nach Afrika dienen und zur wirtschaftlichen Entwicklung des Kontinents beitragen könnten.

Abgerundet wurde die zweitägige Veranstaltung durch einen Gala-Abend mit einem Geschäftsessen und einer Modenschau. Solitha Shortte, eine Designerin aus Kanada, die während der Veranstaltung einen Workshop für junge Nachwuchsmodels veranstaltete, und AfricanTide’s Impress yourself, unterhielten und inspirierten mit ihren afrikanischen Themenkreationen.

Die Modenschau zeigte Models, die zur Afrobeat-Musik von Wizkid, Davido und Yemi Alade tanzten und mit ihren schönen Kleidern verschiedene Perspektiven boten. Die Band Fulani feat garantierte jede Menge wunderbarer Live-Musik. Es war ein passender Höhepunkt für zwei Tage ernsthaften Brainstormings zu den Herausforderungen der afrikanischen Entwicklung, der den Teilnehmenden eine hervoragende Möglichkeit zur Entspannung gab.

Der repräsentative Veranstaltungsort, der Veranstaltungssaal des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund, erstrahlte durch die traditionell bunten Kleider der Konferenzbesucher!